FRANZÖSISCHE LEBENLÄUFE VERSTEHEN – 4 TIPPS FÜR DEUTSCHE RECRUITER:INNEN (1/2)
Französische Lebensläufe wirken oft wie ein gut gehütetes Geheimnis – voller Nuancen, Abkürzungen und Informationen, die es zu entdecken gilt.
Als deutsche∙r Recruiter∙in ist das Verstehen dieser Lebensläufe von entscheidender Bedeutung, um die besten Kandidat∙innen zu finden und zu gewinnen.
Wir zeigen Ihnen in vier Schritten, worauf Sie beim Lesen französischer Lebensläufe achten müssen, um diese richtig einschätzen und interpretieren zu können.
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Unterschiede im Layout verstehen: Farben, Emojis und Kompetenzprofil
Ein französischer Lebenslauf ist nicht nur inhaltlich anders, sondern auch visuell auffällig – das Layout unterscheidet sich deutlich von den klassischen deutschen Lebensläufen.
Während in Deutschland oft ein nüchternes, chronologisches und eher schlichtes Format bevorzugt wird, ziehen französische Bewerber∙innen farbenfrohe Gestaltungen mit Emojis und Grafiken vor.
Dabei setzen sie gerne auf Farben, um wichtige Abschnitte und Kompetenzen hervorzuheben.
Diese leiten das Auge des Betrachters und lenken die Aufmerksamkeit auf die Schlüsselaspekte des Lebenslaufs. Emojis und Grafiken werden oftmals verwendet, um Soft Skills, Interessen oder spezielle Leistungen visuell darzustellen.
Lebensläufe in Frankreich zeichnen sich außerdem oft durch ihre Kürze aus – meistens umfassen sie nur eine bis zwei Seiten. Diese Kompaktheit fordert Bewerber∙innen heraus, sich auf die wesentlichen Informationen zu konzentrieren und präzise Formulierungen zu wählen.
Statt langer Abschnitte zu Berufserfahrung und Bildung fassen Bewerber∙innen daher ihre Kernkompetenzen und Fähigkeiten in prägnanter Form in einem Kompetenzprofil zusammen.
Diese ermöglicht Recruiter∙innen, die relevanten Qualifikationen der Bewerber∙innen auf einen Blick einzuschätzen, da Zeugnisse und Zertifikate häufig nicht als Anhang beigefügt werden.
Das Ziel des französischen Lebenslaufs ist, Expertise und den „Marktwert“ der Bewerber∙innen auf einen Blick erkenntlich zu machen.
Oftmals finden Sie im oberen Bereich eine kurze Zusammenfassung der Expertise, z.B.
„Senior Sales Manager mit 10+ Jahren Berufserfahrung im B2B im Cloud-Bereich, dreisprachig (FR|DE|EN)“
Unser Tipp als deutsch-französische Personalberater∙innen:
Das Layout französischer Lebensläufe kann auf den ersten Blick unkonventionell erscheinen. Dahinter steckt jedoch eine durchdachte Methode, um
- Ihre Aufmerksamkeit zielgerichtet auf relevante Fähigkeiten zu lenken,
- Ihnen die Einschätzung des Kompetenzprofils so leicht wie möglich zu gestalten.
Seien Sie offen für diese kreative Gestaltungsweise und lassen sich darauf ein, die visuellen Elemente in Verbindung mit den fachlichen Qualifikationen zu betrachten.
Dies ermöglicht Ihnen, ein umfassenderes Bild potenzieller Kandidat∙innen zu gewinnen, ihr Kompetenzprofil richtig einzuschätzen und die passenden Talente für Ihr Unternehmen zu identifizieren.
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Französisches Bildungssystem und Abschlussbezeichnungen verstehen: Ein Puzzle mit vielen Kleinteilen
Französische Bildungswege sind ein komplexes Puzzle aus verschiedenen Abschlüssen, von denen einige in Deutschland so nicht existieren, wie „Licence“, „BTS“ oder „DUT“.
Auch die oft verwendeten Abkürzungen „Bac+3“ oder „Bac+4“ können im ersten Moment für Verwirrung sorgen.
Wir bringen es Schritt für Schritt auf den Punkt.
Das erreichte Bildungsniveau wird in Frankreich oft mit der Formel „Bac+“ abgebildet – „Bac“ (Baccalauréat) für das Abitur und „+“ für die Anzahl der abgeschlossenen Studienjahre.
„Bac+“ bezeichnet die Anzahl der Jahre nach dem Abitur, die für einen entsprechenden Abschluss benötigt werden.
Ein „Bac+2“ bezeichnet eine zweijährige Ausbildung nach dem Abitur, die beispielsweise an einer beruflichen Schule bzw. einem Fachinstitut (Abschluss „BTS“ oder „DUT“) absolviert werden kann.
Ein „Bac+3“ entspricht in der Regel einem dreijährigen Bachelor-Abschluss, während ein „Bac+5“ auf einen Master-Abschluss hinweist. In Frankreich unterscheidet man jedoch zwischen dem Master 1 („Bac+4“ ein Masterjahr nach dem Bachelor) und einem Master 2 („Bac+5“ zwei Masterjahre nach dem Bachelor).
Um ein vollständiges Bild zu erhalten, ist es wichtig zu verstehen, welche Fähigkeiten und Fachkenntnisse diese Abschlüsse repräsentieren.
Ein „Master“ kann beispielsweise sowohl einen akademischen als auch einen berufsbezogenen, praktischen Schwerpunkt haben. Dies unterscheidet sich, je nachdem, welche Hochschule besucht wurde.
Auch an dieser Stelle gibt es Unterschiede: Man unterscheidet zwischen der Universität („université“), den technischen Hochschulen („Institut Universitaire de Technologie“, kurz „IUT“) und den „Grandes Écoles“ oder auch „Ecoles Supérieures“, die höhere Eintrittsbarrieren aufweisen und auf eine oder wenige Fachrichtungen spezialisiert sind.
Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle: „Wie kann ich das Kompetenzprofil eines∙r Kandidat∙in durch die vielen Bildungswege richtig einschätzen? Repräsentiert eine „licence“ mehr fachliche Kompetenz als ein „DUT“? Was genau ist der Unterschied zwischen einer „licence“ und einer „licence professionelle“?“
Dies erfahren Sie in Teil 2. Jetzt weiterlesen